Liesl Weapon – die bayerische Allzweckwaffe

Sie zwickt die Wiesnbesucher auf, widmet sich dem bayerischen Liedgut und sorgt dafür, dass jeder Mensch Zugang zur Kultur bekommt. Der Münchnerin Liesl Weapon liegt es, die Menschen zu unterhalten und dabei ganz sie selbst zu bleiben. Wir haben mit der sympathischen Unterhalterin gesprochen.

Liesl_2016Amelie Diana Magdeburg. Ein Name der vielen schon als Künstlername reichen würde. Nur ihr selbst nicht. Bezeichnend für eine Frau, die solo, als Fünferbesetzung und in einer neunköpfigigen Gruppe auf der Bühne steht und sich zudem sozial engagiert. Dabei fing alles so an, wie es bei vielen anfängt. Nach einer kindlichen Karriere als Maskottchen der Jagdhornbläser-Gruppe des Papas stand für die Eltern fest: „Das Kind lernt jetzt ein Instrument.“
Begeistert war die damals Sechsjährige vom Akkordeon. Also ging sie fortan zum Akkordeonunterricht. Damals entstand einige innige Liebe zum Instrument. „Ich habe mein weißes Akkordeon so geliebt, dass ich die ersten Wochen sogar nachts neben ihm geschlafen habe“, erinnert sich Amelie. Eine Liebe, die seit diesem Zeitpunkt anhält. Noch heute steht sie mit ihrem weißen Instrument aus der Jugendzeit auf der IMG_2166.JPGBühne, daran konnte auch der, ihr „als Teenager höchst peinliche“, Akkordeonunterricht nichts ändern. Gut so. Das weiß sie auch selbst, denn letztendlich sollte sich der typische Satz der Eltern „Später werst’s uns danken“ bewahrheiten.

Und das tut sie – bei jedem Auftritt den sie mit ihrem weißen Akkordeon hat. Und weil die Liesl so gar nicht „aufs Maul gefallen“ ist, untermalt sie mit ihrem Instrument am liebsten Gstanzl. Die traditionellen Reime kommen bei den Besungenen gut an. Meistens… Aber das sei eine andere Geschichte. Eine die wir nur zu gerne hören wollen. Also erzählt sie sie uns, die Liesl. „Die meisten Besungenen nehmen das mit dem nötigen Humor und können über sich lachen. Es hat aber auch schon mal jemand geweint und wollte seinem Arbeitgeber kündigen, der mich über ihn hat singen lassen. Das hat mich eine Nacht nicht schlafen lassen – ich will ja amüsieren und nicht tiefgehend verletzen“, sagt die Tochter einer Niederbayerin und eines „Preiß“. Und wer jetzt glaubt, dass die besungene Person eine Frau war, der täuscht sich gewaltig.

Aus Amelie wird Ameliesl

Scharf schießt sie also ab und an, die „Liesl Weapon“. Da passte es ganz gut, dass ihre früheren bayerisch-schwäbischen Mitbewohner die Amelie zur „Ameliesl“ machten, was dann zur Liesl führte. Dankbar nahm sie dann das Wortspiel zum bekannten Hollywood-Streifen „Lethal Weapon“ an.

IMG_2172.JPGDass sie nicht nur scharf schießt beweist sie mit ihrem Engagement beim KulturRaum München. „Das ist eine fabelhafte Institution. Wenn man selbst das Glück hat, sich zu den Kulturschaffenden zählen zu dürfen, liegt es einem besonders am Herzen, dass möglichst viele Menschen mit kulturellen Veranstaltungen in Berührung kommen können.“ Und genau dies ermöglicht der KulturRaum mit seinen 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die seit der Vereinsgründung 2011 bereits 40.000 Tickets zu Kulturveranstaltungen an Münchner vermittelt haben, die sich solch einen „Luxus“ ohne diese Vermittlung nicht leisten könnten. „Diese Arbeit als Schirmherrin unterstützen zu dürfen, ist mir eine Ehre“, sagt die 1984 in München-Pasing geborene Liesl.

Hauptsächlich verdient sie ihr Feierabendbier mit gebuchten Veranstaltungen als „Liesl Weapon“. In der letzten Zeit hat man sie aber auch öfters bei Günter Grünwalds „Freitagscomedy“ im Bayerischen Fernsehen erleben können. Musikalisch steht Amelie mit der Schickalscombo und dem Auer Gsox auf der Bühne. „Über die Combo wurde mal geschrieben: ‚gegen sie ist jeder Trachtenverein Meister der Tarnung’ – das gilt auch musikalisch würde ich sagen.“ 2015 haben die neun Musiker den Innovationspreis der Stadt München bekommen. „Schwer vergleichbar“, sei sie, die Schicksalscombo. Das Projekt sei aber mittlerweile zu einer richtigen Familie zusammengewachsen, was man in den Liedern der Gruppe heraushören kann.

Ein echtes Herzensprojekt ist das „Auer Gsox“, also dem Gesindel aus dem Münchner Stadtteil Au. Kennengelernt hat sich ein Teil der Besetzung bei einem Auftritt der „Schicksalscombo“ bei der Vorstadthochzeit 2014 im Hofbräuhaus. „Da haben ein paar nette Menschen Musik gemacht und ich hab gefragt, ob sie noch ein Akkordeon brauchen“, sagt Amelie. Die Kontrabassistin haben sie dann quasi von der Straße aufgesammelt und gemeinsam den Namen „Auer Gsox“ zusammengesponnen. Echte Wirtshausmusik steht da auf dem Programm. Mit viel Freude und der ein oder anderen „Hopfenkaltschale“ arrangieren die fünf Damen ihre Stückerl und verbreiten mit dem richtigen Gespür eine heimelige Stimmung bei der man gleich mitsingen möchte.

„Natürlich liebe ich die bayerische Wirtshausmusik heiß und innig“, sagt Amelie. „Darüber hinaus ist Weill´s ‚Mandalay’ mein Lieblingslied wenn ich mit der Schicksalscombo spiele, weil wir das ziemlich laut und elektronisch interpretiert haben – das reißt einen einfach mit.“ Die stille Liesl hat aber kürzlich auch ein altes Wienerlied aus den 30er Jahren für sich entdeckt: „Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix“. „Ein großartiger Text, da steckt für mich tiefste Weisheit drin“, wie die Münchnerin findet. Ob sie ihre Stückerl lieber vor 30 oder 300 vorträgt, wollten wir wissen, aber darauf kann sie keine klare Antwort geben. Mal sei die Stimmung vor 30 Leuten besser, manchmal vor 300 und dann wieder umgekehrt. „Das Wohlwohlen und die Bereitschaft der Menschen sich einzulassen ist viel entscheidender als ihre Anzahl.“ Und da sind sie wieder, die Emotionen, die die Liesl in den Leuten zu wecken versucht.

AUER GSOX_2016Große Gefühle sind anscheinend ein Talent von Amelie. Tränen der Rührung gab es nämlich auch schon häufiger. Zum Beispiel auch auf einer Hochzeit. Die wirkten beim Brautpaar so nachhaltig, dass sie nach der Hochzeit ihrem Umfeld untersagten, die Liesl je wieder auf Veranstaltungen zu buchen auf der sie anwesend sein werden, damit der Moment auch ja einzigartige und exklusiv für sie bleibt. „Charmant genug schreiben dass der eine nicht verletzt ist und doch nicht so charmant, dass die anderen einem vor lauter Rührung das Geschäft einschränken, das ist seither mein schmaler Grat.“

Der anstrengenden Zukunft sieht Amelie gelassen entgegen. „Liesl Weapon wird ihr Soloprogramm spielen, die Schicksalscombo wird zum schwarzen Meer segeln und Auer Gsox wird über einen Biersee rudern.“ Natürlich bedeute ein gewisser Bekanntheitsgrad auch eine ganz andere Beanspruchung. Manchmal sei es etwas schwerer wenn das Hirn mit einem Haufen Sachen gleichzeitig beschäftigt ist, Zeitdruck herrscht und eigentlich nur das zigtausendste Gstanzl produziert werden soll. Ansonsten sei aber alles wie am Anfang. Fast jedenfalls. Mittlerweile hat die studierte Kunsthistorikerin ihre Arbeit in einem Münchner Auktionshaus an den Nagel gehängt um sich voll und ganz dem Leben auf der Bühne hinzugeben.

SC - Innovationspreis Volkskultur2015Es sieht so aus, als haben die Fans direkt auf die Liesl und ihre Projekte gewartet. Genau jetzt wo die Volksmusik einen neuen Aufschwung erlebt, steht sie da – mit ihrem weißen Akkordeon und bringt den Gästen Volksmusik in all ihren Facetten näher. Hintergründig analysiert sie dabei auch diesen Trend, dass die Volksmusik wieder in ist. „Ich denke, dass man das als eine Art Nebeneffekt der Globalisierung sehen kann. Unsere Generation ist viel in der Welt unterwegs, mittels der Medien sind wir ständig mit dem ganzen Globus verknüpft, haben das Glück, die unterschiedlichsten Orte und Kulturen kennenlernen zu dürfen. Umso mehr haben wir wohl auch das Bedürfnis unsere eigene Kultur definiert zu wissen, damit wir mit bewusster Verwurzelung in die Welt hinaus wachsen können. Dafür eignet sich die weiß-blaue Rautenromantik natürlich besonders, wird dabei aber leider auch vielfältig missbraucht.“

Mehr über die Liesl und ihre Projekte könnt ihr unter: http://www.lieslweapon.de/

Auf dem Facenbook-Kanal vom Auer Gsox verpasst ihr keinen Post: https://www.facebook.com/auergsox

Auch die Schicksalscombo ist auf Facebook zu finden: https://www.facebook.com/Schicksalscombo/

Markus Fryzel

Markus Fryzel

Es dauerte 37 Jahre bis ich mir meinem Herzenswunsch erfüllte und mir (erstmal) selbst die Steirsche Harmonika beibrachte. Begeistert war ich ja schon immer von der echten, handgemachten Volksmusik. Mittlerweile lehrt mich ein Profi das Instrument und so kam ich auch auf die Idee Anfänger, Fortgeschrittenen und Profis eine Plattform für ihre Musik zu schaffen. Mit musikantenstammtisch.com verbinde ich zwei Leidenschaften die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein könnten: das Internet und die handgemachte Volksmusik.
Markus Fryzel
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