Reingehört: Großstadt Boazn – „Sperrstunde“

CD-Cover "Sperrstunde" der Großstadt Boazn

CD-Cover „Sperrstunde“ der Großstadt Boazn

Die erste CD der Großstadt Boazn ist da. Wer sie sich kauft muss ein paar Dinge in Kauf nehmen. Erstens ist es eine Scheibe, die Traditionalisten unter den Volksmusikanten schon ein bisserl weh tun kann, denn hier treffen drei Instrumente aufeinander, die in der Volksmusik eher weniger zusammen spielen. Ziach, Gitarre (bis hier hin noch völlig normal) aber dann kommt dieses Ding, dieses Barisax. Von Birgit Tomys doch ein bisserl ganz anders interpretiert, als man es von diesem Instrument kennt.

Birgit schafft es mit diesem Riesenteil oftmals ganz sanfte und filigrane Töne in die Stücke zu werfen, während Matthias Pürner mal wieder mehr beweist, was man mit der Ziach alles anstellen kann. Die Ziach ist in den letzten Jahren musikalisch eher immer mehr zu einem multifunktionalem Instrument bei vielen Ziachspielern geworden. Da werden nicht nur traditionelle Melodien gespielt, sondern, wie auf dieser CD eben auch, neue musikalische Wege beschritten. Schön so. Und dann kommt der Berni Filser mit seiner Gitarre auch noch daher. Und das ist gut so. Denn damit kommt noch Drive in die ganze Gschicht.

Manchmal hat man beim hören der CD das Gefühl die Drei machen das mit Absicht, dass man einfach genauer hinhören muss und tut man das auch noch, dann darf man sich ganz auf dieses Feeling einlassen. Musikalisch gesehen ist diese CD ein echter Hinhörer. Für mich als Musikkritiker sind mehrere Stücke wirklich erwähnenswert, da sie das Repertoire aller drei Musiker besonders herausheben. Zum einen das Stück „Griechisches Bier“, ein Stück das mich von Anfang wirklich überrascht hat. Denn hier tönt ein Barisax mal eben vorweg und gibt einem das Gefühl, jetzt schlägts griechisch und die Gitarre im Zusammenspiel mit der Ziach lässt unwillkürlich die Füße mitmachen, hier wird so mancher sich beim Wunsch nach tanzen ertappen. Und auch das ist gut so. Mit „P1“ ist auch so ein Stück entstanden, das jeden ein bisserl genauer hin horchen lässt. Denn hier ist wenig Volksmusik aber ganz viel Musik auf anderer Ebene zu hören, die wirklich Spaß macht.

Rundum Fazit der CD „Sperrstunde“

Wer etwas Neues ausprobieren möchte, wer sich auf ein Abenteuer musikalischer Art einlassen möchte, wer diese Kombination aus den Instrumenten einfach mal genießen möchte und wer neue Volksmusik im wirklich guten Sinne hören möchte, dem kann ich nur raten, dass er/sie sich diese CD kauft. Man hört dass sich drei Musikanten wirklich gut verstehen und es lieben mit den Instrumenten und dem Zuhörer zu spielen. Gratulation.

CD-Cover "Sperrstunde" der Großstadt Boazn

CD-Cover „Sperrstunde“ der Großstadt Boazn

Inhalt der CD

  1. Polka für Vladimir N.
  2. Marsch für’n Ziegenpeter
  3. P2
  4. Gredbeng-Boarischer
  5. Schachtelwalzer
  6. 19er-Marscherl
  7. P1
  8. In da Boazn
  9. Griechisches Bier
  10. Gruß an Niederbayern
  11. Polka für’d Handmarie
  12. Fackeltanz
  13. Fischer-Lindl-Biam-Boarischer
  14. Immer Ärger mit’m Sperger
  15. Sperrstunde
Joschi von Sárközy

Joschi von Sárközy

Musiker, Musikanthropologe und Autor bei kontrabrass! die kulturkammer.
In Wien im Privatstudium klassische Trompete mit ganz viel Klang erlernt...ein hartes Stück Arbeit.
Danach aufgrund von gesundheitlichen Problemen Umstieg ins tiefe Blech (Bariton und Tuba) und in die Medizin. Weiterbildung zum Musikanthropologen, um die Essenz der Musik, den Klang im Zusammenhang mit dem Gehirn besser zu verstehen.
Autor von zahlreichen Fachartikeln und einigen Büchern im Bereich Musik und Forschung.
Beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit dem Thema: "Klang in der Musik/Volksmusik und im Instrumentalspiel" sowie den Auswirkungen auf unser Gehirn und dem gesamten Körper.
Er hält Seminare und Workshops in denen es um den Klang, das leichte Spiel und Gehirntraining zum leichteren Lernen (auch von Musikstücken) für Blasmusiker geht. Solche Seminare sind im europäischen Raum die einzigen die für jeden in der Blasmusik und Volksmusik angeboten werden.
Joschi von Sárközy
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