Traditionell und besinnlich: eine weihnachtliche Liederliste

Foto by Veronika Leikam

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Zu den wohl kuriosesten Dingen im Jahresverlauf gehören ganz klar die rappelvollen Supermarktregale mit Spekulatius, Zimtsternen und Co. gegen Ende der Sommermonate. Wenn dann ‚Last Christmas‘ kurz vor Weihnachten in endloser Dauerschleife erklingt, wünscht sich der ein oder andere wahrscheinlich nur noch eins: die Abschaffung diverser kommerzieller Radiosender oder eine gute Weihnachts-Playlist. Und mit gut meine ich traditionell und vor allem besinnlich. Wir haben da mal ein bisschen in der Liederkiste gekramt…

Den Anfang macht Es wird scho glei dumpa von Anton Reidiger. Bevor der Komponist und Mundartdichter seine Priesterlaufbahn in Ischl begann, war er Mitglied der St. Florianer Sängerknaben. Später beschäftigte er sich intensiv mit dem alten „Ischler Krippenspiel“, das maßgeblich die Entstehung des Hirtengesangs Es wird scho glei dumpa beeinflusste. Das Lied handelt vom Jesuskind, das langsam und sanft in den Schlaf gesungen werden soll.

Ebenfalls ein Wiegenlied und mindestens genauso bekannt wie Es wird scho glei dumpa ist Aba heidschi bumbeidschi. Das aus Niederösterreich oder Deutschböhmen stammende Lied in bayerisch-österreichischer Mundart ist für viele in der Adventszeit nicht mehr wegzudenken. Dabei handelt es sich ursprünglich gar nicht um ein Weihnachtslied, sondern um ein klassisches Wiegenlied.

Jodeln und Weihnachten geht nicht zusammen? Geht doch. Das beweist der Sterzinger Andachtsjodler auf beeindruckende Art und Weise. Das geistliche Jodellied aus Südtirol ist insbesondere in der bayerisch-österreichischen Volksmusikszene bekannt und hat seinen Ursprung vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Während der Jodler zunächst in Christmetten erklang, wird er heute zunehmend auch für weltliche Zwecke verwendet. Für die Wiederbelebung des kurzzeitig in Vergessenheit geratenen Stückes sorgte unter anderem das Salzburger Adventssingen.

Tochter Zion, Vom Himmel hoch, Es ist ein Ros entsprungen, Oh du Fröhliche, Kommet ihr Hirten – all diese traditionellen Weihnachtslieder sind in dem Stück Die Winterrose zusammengefasst und ergeben insgesamt eine wunderbar harmonische Melodie, vor allem aber eine stimmige Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

Denn die Weihnachtsbotschaft traf auch die Hirten damals ganz plötzlich. Erreicht sie uns heutzutage ebenso überraschend? Mit dem Stück Kommet ihr Hirten kann dieser Gedanke auch auf die heutige Bedeutung der Adventszeit übertragen werden. Wenn das Weihnachtsfest immer mehr zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor wird, fällt es meist schwer, sich dem Kommerz und der Hektik darum zu entziehen. Dabei ermutigt das Stück dazu, die weihnachtliche Vorfreude und Spannung bewusst zu erleben und sich wieder auf den Ursprung zu besinnen und die Adventszeit in ihrer ganzen Einfachheit zu genießen.

 

Veronika Leikam

Veronika Leikam

Seit über zehn Jahren bin ich mittlerweile Mitglied einer Blaskapelle. Daher kommt wohl auch meine Sympathie zur Blasmusik, denn dort kam ich ab der zweiten Klasse in den Genuss traditioneller Volksmusik und wurde jahrelang mit viel Engagement, Geschick und Geduld an die (bayerische) Musik herangeführt. Mit musikantenstammtisch. com habe ich das Glück, meine Freude an der Musik sinnvoll einzubringen, interessante Menschen und Gruppen kennenzulernen – vor allen Dingen aber kann ich dadurch zwei meiner großen Hobbies verbinden: die Musik und das Schreiben.
Veronika Leikam
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